Der Ceridische Monatskalender der Alten Welt

Januar: Der heilige Jännes

Der heilige Jännes war ein einfacher Holzfäller aus Strandland und wohnte nah bei den Deichen am Meer. Er war ein tüchtiger Mann und arbeitete jeden Tag voll Zufriedenheit und immer mit einem Lied auf den Lippen und für jeden Baum, den er fällte, dankte er dem Eynen für das Holz, das er uns jeden Tag schenkt, so dass wir uns sichere Hütten bauen können und nicht erfrieren müssen. Eines Tages jedoch kam ein großer Sturm auf, so dass sich die Bewohner Strandlandes kaum noch auf den Beinen halten konnten. Die Wellen schlugen hoch und das Meer schäumte. So ein Unwetter hatten die Menschen dort kaum erlebt und sie fürchteten sich und sammelten sich in der Abtei hinter den Deichen, um dort Schutz zu suchen. Da geschah es, dass der Deich brach und das Meer begann, über das Land zu fluten. Und die Menschen beteten zum Eynen, dass er sie verschonen möge. Und so tat es auch der heilige Jännes, inbrünstig wandte er sich an den Eynen und da spürte er, dass der Eyne ihm Kraft schenkte und ihn stärkte. Und da erhob sich der heilige Jännes und ging hinaus in den Sturm und seine Gestalt blieb ungebeugt, denn der heulende Wind konnte ihm nichts anhaben. Und der heilige Jännes ging und riss mit seinen bloßen Händen Baum für Baum aus der Erde und trug sie zu dem Loch im Deich und trotzte den wilden Wassern. Und als er sieben Mal gelaufen war, so konnte kein Wasser mehr ins Land dringen und der Sturm währte noch 9 Tage lang, doch der Deich hielt stand und die Menschen in der Abtei sangen und lobten den Eynen für seine Gnade und Güte. Und seit dem Wirken des heiligen Jännes liegt der Segen des Eynen auf diesem Landstrich, denn er ist fruchtbarer und prächtiger als alle anderen Gebiete in Strandland. Von diesem Heiligen stammt der Ausspruch „wahrer Glaube kann Bäume versetzen“ oder auch „stark wie der heilige Jännes“.

Februar: Der heilige Ferdinand

Der heilige Ferdinand (auch genannt Ferdinand der Fürchterliche) war der Sohn einer Holzfällerin. Eines Tages ging er nach draußen auf die Felder, um die Ziegen zu melken, als er eine Blume im Gras sah. Er bückte sich, pflückte sie und führte sie zu seinem Gesicht, um daran zu riechen. Just in diesem Momente kam eine Bienenkönigin herangeflogen und setzte sich auf die Blume. Wenn eine Bienenkönigin eine neue Heimstatt sucht, so ist ihr ganzer Hofstaat nicht weit, und so geschah es, dass ein riesiger Schwarm von Bienen auf dem Kinn des heiligen Ferdinand landete. Von weitem sah dies aus, als hätte er einen mächtigen Bart. Genau in diesem Augenblick kam Simon der Unausstehliche mit feindlichen Truppen über den Hügel geritten. Sie waren gerade erst mit ihren Schiffen angelandet und der heilige Ferdinand war der erste, den sie zu Gesicht bekamen und sie erblickten ihn mit seinem summenden Bart, der ständig die Form wechselte. Da rief Simon der Unausstehliche erschrocken aus: Wenn bereits der gewöhnliche Landmann auf dem Felde einen solch zornigen und wunderlichen Barte hat, wie mächtig muss dann erst der König sein! Und so drehten sie schnell ab und sprengten zurück zu ihren Schiffen. Und so verschreckt waren sie, dass sie sich alle auf ein Schiff drängten, obwohl sie mit fünfen angekommen waren, so dass sie mit Mann und Maus untergingen. So rettete der heilige Ferdinand ganz Havelmuend. Man sagt „Beim Barte des heiligen Ferdinand“ oder auch, wenn man einer großen Übermacht gegenüber steht und am liebsten möchte, dass sie verschwindet „Ferdinand steh uns bei“

März: Der heilige Maximilian

Der heilige Maximilian war ein großer Baumeister und er war so geschickt, dass er schnell weithin bekannt und berühmt war. So kam es, dass er sehr begehrt war und für viele hohe Herren und reiche Kaufleute prunkvolle Bauten errichtete. Und man rühmte ihn so sehr, dass er kaum noch alle Aufträge, die er bekam, erfüllen konnte. So gewann er an Ansehen und an Reichtum und viele schmeichelten ihm und bedachten ihn mit besonderen Aufmerksamkeiten, auf dass er für sie etwas bauen würde. Aber der heilige Maximilian merkte, dass ihn all dies nicht erfüllte, denn er war im Herzen leer und hatte keine Freude an seiner Arbeit. Und da er redlich und fromm war und ihm Ruhmsucht und Eitelkeit ferne lagen, so beschloss er, sich von all der Prunksucht abzuwenden und dem Eynen zur Ehr ein Haus zu bauen, denn er wusste, dass all die edlen und reichen Leut den falschen rühmten. All die Bewunderung gebührte nur dem Eynen selbst. Und so ging er hin und begann, die größte und prächtigste Kirche zu bauen, die das Welser Land je gesehen hatte und sein Herz war voll Freude, und bei jedem Stein, der auf den anderen gesetzt wurde, jubilierte es. Und der Eyne sah dies mit Wohlgefallen und schenkte dem heiligen Maximilian ein langes, langes Leben, so dass er noch mit eigenen Ohren den ersten Glockenschlag der Kirche hören konnte. Noch heute ist die Maximilianenkirche des Welser Landes weithin bekannt und jedes Jahr finden sich dort viele gute Ceriden ein, um den Eynen zu feiern und zu ehren. Wenn ein Gebäude sehr schön ist, so sagt man: „Fast so prächtig, als sei es vom heiligen Maximilian selbst erbaut.“ Oder auch „Maximiliangleich“. Man sollte sich jedoch hüten, dies bei weltlichen Gebäuden von sich zu geben. Zumindest wenn ein Geistlicher anwesend ist.

April: Der heilige Alberich

Der heilige Alberich war ein betagter Mann und zudem war sein Augenlicht über die Jahre geschwunden, so dass er blind war. Es geschah, dass der heilige Alberich mit seinen Mannen und einigen Getreuen in Bedrängnis geriet, seine Burg lag nahe der Grenze von Lampart und heidnische Aufrührer und Mordbuben fielen in sein Land ein, um Verderbnis und Irrglaube zu bringen. Schutzsuchend waren alle Menschen zur Burg gekommen, welche von den Heiden belagert wurde. Es war jedoch noch gelungen, einen Boten mit einem Hilfegesuch auszusenden, so dass in 7 Tagen Verstärkung erwartet wurde. Nun galt es, diese 7 Tage zu überstehen und es musste beständig Wache gehalten werden, um schnell auf neue Missetaten des Feindes reagieren zu können. Der heilige Alberich war vom wahren Glauben erfüllt, er betete zum Eynen und hielt 7 Tage und 7 Nächte lang Wache ohne zu ruhen. Und er sah auf die feindlichen Truppen und er sah weit weit hinaus über die Grenze, wohl 70 Meilen weit und ihm entging nicht die leiseste Bewegung des Feindes. So vermochten sie, den feindlichen Angriffen stand zu halten und wurden schließlich von der Verstärkung befreit. In diesem Moment liefen blutige Tränen über die Wangen des heiligen Alberich, er sank auf die Knie und blickte gen Himmel, zum Eynen hinauf und niemand weiß, was er dort sah, aber ein strahlendes Lächeln zog sich über sein Antlitz im Augenblicke seines letzten Atemzuges. Von diesem Heiligen rühren die Aussprüche: „Mit Alberichs Augen wachen“ oder auch „wachsam wie Alberich“ her.

 

Mai: Der heilige Meinulf

Der heilige Meinulf war ein reicher Kaufmann, dessen Besitz immer und immer größer wurde, denn er besaß gutes Verhandlungsgeschick und ein einnehmendes Wesen und hatte viel Glück. Und er kaufte sich ein großes, prachtvolles Haus in der Stadt, die allerfeinsten Teppiche, trug die teuerste Kleidung und die schwersten Ketten und Ringe mit Rubinen groß wie Pflaumen. Stundenlang konnte er in seinem Hause sitzen und sich an seinem Besitz erfreuen. Doch dann geschah es, dass in seinem Stadtviertel ein großes Feuer ausbrach, und die Menschen mussten fliehen, da noch keine Hilfe in Sicht war, um die Flammen einzudämmen. Der heilige Meinulf aber war vor Schrecken wie gebannt und wollte nicht abrücken von all seinem kostbaren Besitz. Er konnte den Gedanken nicht ertragen, all das, was er so liebte, zu verlieren. Und so blieb er in seinem Hause sitzen, während die Flammen immer wilder und gefräßiger wurden und sah zu, wie seine Teppiche anfingen zu brennen und seine Truhen, angefüllt mit Kostbarkeiten unter der Hitze zusammenbrachen. Und alles war erfüllt von Flammen und schwarz und voll erstickendem Rauche und nichts mehr war übrig, da blickte sich der heilige Meinulf um in diesem bozephalischen Inferno und er sah etwas blitzen und blinken. Er hob es auf und erkannte, dass es das Auge des Eynen war, das ganz hinten, verdrängt von goldenen Kelchen und Karaffen, auf einem seiner Tische gestanden hatte. Und plötzlich sah der heilige Meinulf klar, und großer Schrecken durchfuhr ihn bis ins Gebein, als er erkannte, was er mit seinem Leben gemacht hatte. Er sah nun, dass er selbst Sklave seiner Besitztümer geworden war und gierig gewesen war und dass er sein Leben verschenkt hatte. Und er fiel mit schwelendem Gewande auf den Boden und betete zu dem Eynen. Und der Eyne sah in sein Herz und sandte ihm eine Taube. Sie flatterte in das brennende Haus und führte den heiligen Meinulf sicher durch die Flammen nach draußen. Und der heilige Meinulf schenkte den Rest seines Besitzes der ceridischen Kirche und den Armen und Kranken und behielt nichts für sich. Er wurde ein Diener des Eynen und wanderte durchs Land, um mit seinem Redegeschick und seinem einnehmenden Äußeren von nun an das Wort des Eynen unter die Menschen zu bringen und er sammelte wohl so viele Spenden wie sonst kaum einer. Wenn man jemanden sieht, der übermäßig prunkvoll gekleidet ist, so sagt man: „Ich glaub es brennt“, wenn man eine völlig neue Erkenntnis hat, so sagt man : „Da hat`s mich getroffen wie den Meinulf“

Juni: Der heilige Juvenal

Der heilige Juvenal war ein Kind armer Leute und lebte mit seinen Eltern und Geschwistern in kärglichsten Verhältnissen. Als der heilige Juvenal 8 Jahre alt war, so hatte er noch nie ein Wort gesprochen, denn er war stumm. Aber er wusste von dem Eynen und mit dem Eynen konnte er sprechen, denn ein Gebet braucht keine Worte. Der heilige Juvenal war vom wahren Glauben erfüllt und er wusste von der Güte des Eynen. So kam es, dass er auszog, um zum Berge Ceridon zu gehen, wo der Eyne selbst erschienen ist. Und wie er so durch die Lande zog, so schlossen sich ihm die Kinder an, die dort lebten. Viele Eltern versuchten, sie einzusperren und zu hindern, weil sie schwach waren und ängstlich, doch die Kinder erkannten die Stärke Juvenals, die aus seinem tiefen Glauben rührte und nichts konnte sie hindern, sich ihm anzuschließen. Und es wurden mehr und mehr und viele Kranke waren unter ihnen, die kaum laufen konnten oder die von Zuckungen geplagt waren und vieles mehr. Und doch vermochten sie es alle, dem heiligen Juvenal zum Berge Ceridon zu folgen. Juvenal brauchte keine Worte, um sie zu ermutigen und zu stärken, nein, seine Gestalt selbst und sein tiefer Glaube reichten aus. So kamen sie nach langer Zeit am Berge Ceridon an und der Eyne nahm die Gebrechen von ihnen und sie tanzten und lachten und lobten den Herrn für seine Güte und Größe. So hatte der heilige Juvenal das Wort Ceridons und das Licht des Eynen zu hunderten gebracht, ohne je ein Wort zu sprechen. „Fromm wie der Kinderpilger Juvenal“ Wenn jemand schweigen soll, so sagt man „sprich mit den Worten Juvenals“.

Juli: Der heilige Julian

Der heilige Julian war ein Ritter, der sich mit vielen anderen von Saltstendingen auf Heidenfahrt nach Fjelderland aufmachte, doch stand diese Reise unter einem schlechten Stern, denn ihr Schiff geriet in einen Sturm und sank. Der heilige Julian nun wurde an den Ufern von Fjelderland angespült und von Ungläubigen gefunden, die ihn sofort gefangennahmen und zu einer Festung schleppten. Dort wurde er in die Verliese gezerrt und festgebunden. Wohl hundert gute Ceriden saßen dort eingepfercht, ihre Körper waren ausgemergelt und ihr Blicke waren gebrochen und trüb und ihre Köpfe hingen mutlos hinab. Der heilige Julian wurde gebunden und ausgepeitscht und die Heiden schrien und stießen ihn und riefen: Sag uns, wie heißt dein Gott? Doch der heilige Julian schüttelte nur den Kopf und sprach: Mein Gott hat keinen Namen, denn er ist der einzige und wahre. Das konnten die Ungläubigen nicht verstehen, denn sie haben zahlreiche Götzen, die alle einen anderen Namen tragen, und so schlugen sie ihn härter und fügten ihm unsägliche Schmerzen zu. Und sie stellten ihm immer und immer wieder nur diese eine Frage und der heilige Julian stand aufrecht und gab stets dieselbe Antwort, denn er war tief erfüllt vom wahren Glauben. Nach sieben Tagen bozephalischer Qualen und Schmerzen dann starb der heilige Julian in den Kellern der Festung und noch im Tode vermochte er deutlich zu sprechen : Mein Herr ist der Eyne und ich bin sein Diener. Er trägt keinen Namen, denn er ist der einzige und wahre. Und als er sein Leben aushauchte, so erhoben sich die hundert Ceriden in ihren Verliesen und stimmten ein Loblied für den Eynen an und sie trugen ihre Köpfe gerade und ihre Blicke hatten neues Leben, denn der heilige Julian hatte ihren Glauben erneuert und gestärkt. Und so hatte er ihnen die Kraft gegeben, die Gefangenschaft zu überleben, denn einen halben Jahreslauf später wurden sie alle von tapferen ceridischen Truppen befreit. Wenn etwas sehr anstrengend war, so sagt man :“Das war eine Juliansqual“ und wenn Heiden stumpfsinnig sind und gewisse Manifeste etc nicht verstehen wollen so ruft man oft entnervt : „Oh heiliger Julian, steh mir bei!“

August: Der heilige Augustin

Der heilige Augustin wurde in einem kleinen Dorfe geboren und schon während seiner Geburt trat seine Besonderheit klar zu Tage. Das Bett, in dem seine Mutter in den Wehen lag, brach zusammen, kaum dass das Kind das Licht der Welt erblickte. Und so ging es fort und fort, während seiner Kindheit war der heilige Augustin äußerst unbeliebt in seinem Dorfe, denn alles, was er anfasste, ging zu Bruche. Spazierte er durch das Dorf, so stürzten Balken ein, an denen er vorüberging und kein Zaun, kein Krug und kein Tisch war vor ihm sicher. Die Leute aus dem Dorfe fürchteten sich vor ihm und jagten ihn schließlich davon, denn sie glaubten, er sei verflucht. So zog denn der arme Augustin durch das Land und mit ihm war nur der Eyne, denn er konnte nicht einmal einen Wanderstab bei sich tragen, da auch dieser schnell zerbrechen würde. Eines Tages kam der heilige Augustin zu einer Brücke, die über einen breiten Fluss mit schnellen Wassern führte. Ein Kind rannte schnellen Fußes über diese Brücke, doch es hatte seinen Beutel verloren. Der heilige Augustin sah dies, hob flugs den Beutel auf und rannte dem Kinde hinterher, um ihm das verlorene Gut wiederzugeben. Doch wie es so mit dem heiligen Augustin stand, so passierte es, dass die Brücke hinter ihm zusammenkrachte und völlig zerstört war. Dies war jedoch die erste große Tat des heiligen Augustin, denn das Kind war verfolgt worden von gierigen Mordbuben, die nun aber am anderen Ufer standen und ihm kein Harm mehr tun konnten. Das Kind, das der heilige Augustin rettete, wurde ein großer ceridischer Bischof und vollbrachte viel Großes und Gutes im Namen des Eynen. Die Gabe des heiligen Augustin, die der Eyne ihm gegeben hatte, wandelte sich nun und fortan wurde alles heil, was er berührte. So ging er von Dorf zu Dorf und heilte im Namen des Eynen Knochenbrüche und andere Gebrechen, bis der Eyne ihn schließlich zu sich nahm. Heute sagt ein jeder, dem etwas zu Bruche geht oder hinunterfällt „Oh du lieber Augustin“, auch munkelt man, dass das gleichnamige Lied auf den heiligen Augustin zurückgeht.

September: Der heilige Sepp

Der heilige Sepp war einst ein Schäfer gewesen, der seine Schafe liebte und jeden Tag genoß, an dem er sie auf die satten, grünen Hänge führen konnte. Eines sonnigen Tages, als die Bäume schon wieder Blüten trugen, ließ er seine Schafe wieder weiden und legte sich unter einen Baum, zog sich seinen Hut in die Stirn und verfiel in einen leichten Schlaf. Und da träumte es ihm, dass eine Stimme zu ihm sprach und sagte, dass jemand in Not seine Hilfe benötige. Und dieser Traum war so eindringlich, dass der heilige Sepp sofort aufsprang, seine Schafe zusammentrieb und mit ihnen loszog, um jemanden aus seiner Not zu retten. Und er lief und lief mit ihnen, bis er an einem Wegesrand eine weinende Gestalt fand. Es war eine junge Frau, wunderschön und rein war sie, in ein weißes Gewand gehüllt. Und sie weinte bitterlich, doch als sie den heiligen Sepp bemerkte, so hob sie anmutig ihren zierlichen Kopf und rief: Oh, welche Glück, dass Ihr in meiner Not vorbeikommt. Ich bin in einen Fuchsbau getreten und nun kann ich mein Bein nicht mehr bewegen und ich leide seit zwei Tagen Hunger und Durst! Bitte, Bitte, guter Man, so helft mir aus meiner Not! Und sie streckte dem heiligen Sepp hilfesuchend die Arme entgegen. Sepps Schafe aber waren in Aufruhr geraten und blökten laut und rollten mit den Augen. Und Sepp sprach: Nein, denn ich sehe, du bist gesandt vom Bozephalus, mich abzubringen von meiner eigentlichen Tat. Dir werde ich gewiss nicht meine Hand reichen! Und kaum sprach er dies, so zeigte das Mädchen seine wahre, hässliche Gestalt und verschwand mit lautem Gebrüll. Und kaum war Stille eingekehrt, so vermochte der heilige Sepp ein anderes Brüllen zu vernehmen und er eilte mit seinen Schafen in die Richtung, aus der es stammte. Da kam er zu einem tiefen Loch mitten in einem Wald. Darin saß ein wilder Mann gefangen, der schrie und schrie mit heiserer Stimme, als sei er ein Irrer. Völlig nackt und schmutzig war er und er trug einen wuchernden Bart und wirres, langes Haar und von seinen Augen sah man fast nur noch das Weiße. Die Schafe des heiligen Sepp jedoch ließen sich von dem Geschrei nicht stören und standen ganz still. Da sprach der heilige Sepp: Guter Mann, seid ohne Sorge, ich helfe euch aus eurer Not. Und so tat er, wie er gesprochen, er holte den armen Mann aus seiner Grube und dieser weinte vor Dankbarkeit und sprach: Oh, dem Eynen sei gedankt, so hat er meine Gebete nun doch erhört. Ich bin Bruder Martin und ich sollte dem Fürstbischof eine wichtige Nachricht überbringen, da fingen mich heidnische Mordbuben und quälten mich und warfen mich in dieses Loch, auf dass ich kläglich verhungern sollte! Ihr seid ein guter Mann und ich danke Euch von ganzem Herzen! Und so begleitete der heilige Sepp mit seinen Schafen den geschwächten Bruder zum Fürstbischof, und die gewichtige Nachricht wurde überbracht. Von diesem Heiligen stammt der Ausdruck : Scharfsinnig wie Sepp der Schäfer. Oder, wenn jemand nicht weiß, wie er sich entscheiden soll: Scheide wie Sepp der Schäfer!

Oktober: Der heilige Ottokar

Der heilige Ottokar war ein Ritter aus uraltem Geschlechte und der einzige Nachfahre seiner berühmten Ahnenreihe. Nun stand es aber so, dass der Eyne den heiligen Ottokar auf eine harte Probe stellte, denn es schien so, als seien ihm keine Nachfahren gegönnt. Schon 6 Frauen hatte der heilige Ottokar geehelicht, doch keine vermochte ihm einen Sohn, ja noch nicht einmal eine Tochter zu schenken. Der heilige Ottokar war über die Zeit schon sehr alt geworden, ja 70 Jahre zählte er schon und er hatte seine siebte Frau schon lange, ohne dass ihm ein Kind vergönnt war. Da kam eine alte Frau an seinen Hof, mit allerlei Fläschchen und Krüglein beladen und seltsame Runen hingen an ihrem Gürtel und sie murmelte oft fremdartige Worte vor sich hin. Und diese Frau sprach zum heiligen Ottokar: Hoher Herr, ich habe gehört von eurem Schicksal und ich bin zu Euch gekommen, um Euch zu helfen, denn ich vermag Fruchtbarkeit zu schenken jedem, der es braucht. Ich werde es Euch beweisen. Und sie ließ eine Kuh aus dem Dorf holen, die noch nie gekalbt hatte, strich ihr über den Bauch und einige Tage später sah ein jeder, dass die Kuh trächtig war und einen prallen Bauch mit sich trug. Nun, sprach die Frau, Ihr habt es mit eigenen Augen gesehen, jetzt lasst mich auch Euch helfen. Doch der heilige Ottokar war ein braver Mann und er erkannte sogleich, dass die Frau eine Mätze des Bozephalus, ja eine Hexe war und er ließ sie auf der Stelle töten und auch die Kuh, die durch ihre schändlichen Taten verdorben war. So verzichtete er auf das Wichtigste, das er hätte erlangen können und gab sein Geschlecht auf. Da belohnte der Eyne seinem treuen Diener, denn er wusste wohl, was der heilige Ottokar aufgab. Und so kam es, dass die Frau des heiligen Ottokar ihm in den folgenden 7 Jahren jedes Jahr einen gesunden und kräftigen Sohn gebar und der heilige Ottokar behielt nur einen bei sich, damit die Ländereien und die Menschen dort nicht ohne Herrn leben mussten und weiterhin geschützet waren, die anderen 6 jedoch machte er dem Eynen zum Geschenk und sie wurden große Männer der ceridischen Kirche. Wenn einem ein Sohn geboren wurde, so sagt man:“ Ottokars Segen liegt auf mir“ Und wenn man auf etwas großes verzichten muss, weil man es nicht durch rechte Mittel erlangen kann so sagt man: „ich werde wohl den Ottokarsweg gehen“. Und wenn jemand ein Geschenk bekommt und man nicht will, dass er alles nur für sich behält, sagt man „sei dankbar wie Ottokar“.

November: Die heilige Noberta

Die heilige Noberta wurde geboren als die Tochter zweier einfacher Landleute. Sie dienten einem hohen Herrn und wohnten in einer kleinen Hütte weit am Ende seiner prächtigen Ländereien. Da geschah es, dass der Herr mit einem üblen Aussatze gestraft wurde, der unheilbar war, wie der Medicus ihm sagte, den er aufsuchte. Nur eine einzige Möglichkeit gebe es, vom schrecklichen Aussatz zu genesen, nämlich wenn eine Jungfrau ihn aus freiem Willen liebte und ihm ihr Herzblut schenkte. Zwar würde diese Frau dann sterben, doch er sei danach vollkommen gesund. Der hohe Herr verfiel in tiefste Verzweifelung und wusste nicht ein noch aus. So zog er sich zurück und kam zu der Hütte der einfachen Landleute, die ihn freundlich bei sich aufnahmen und bei denen er von nun an lebte. Die Bauern hatten eine kleine Tochter, die Noberta hieß und über die Zeit wuchs sie heran zu einem jungen, reinen Mädchen von 12 Jahren. Als sie dieses Alter erreicht hatte, erfuhr sie von ihren Eltern von dem grausamen Schicksal ihres Herrn und beschloss, ihn aufrecht und getreulich zu lieben. So edel war der Herr, dass er versuchte, sie davon abzubringen, sich für ihn zu opfern, doch Nobertas Wille war so stark und rein, dass seine Worte nichts bewirkten. So liebte die heilige Noberta ihren Herrn, dass sie alles für ihn aufgab, auch ihr kostbarstes Gut: ihr eigenes Leben. Größere Dienste kann man seinem Herrn nicht erweisen und der Eyne nahm die heilige Noberta zu sich. Der hohe Herr jedoch wurde wieder gesund und kehrte zurück und solange er über seine Ländereien herrschte, waren die Felder üppig und die Tiere fett und niemand musste Not leiden. Von dieser Heiligen stammt der Ausspruch: „selbstlos wie Noberta“ oder auch, wenn man etwas freiwillig für jemand anderen aufgibt „den Nobertasdienst leisten“

Dezember: Der heilige Degenhard

Der heilige Degenhard war dereinst mit vielen Getreuen auf Heidenfahrt in Fjelderland, um das Wort Ceridons und das Licht des Eynen zu verbreiten. Der Eyne stellte sie auf eine harte Probe, denn schon bald waren die Gefährten verstreut und voneinander getrennt und viele fanden den Tod. So kam es, dass der heilige Degenhard ganz allein stand im Land der Heiden und es dauerte nicht lang, da traf er auf eine Gruppe bewaffneter Ungläubiger, die mindestens 40 Mann stark war. Furchtlos schritt er auf sie zu und begann, ihnen vom Eynen und vom wahren Glauben zu erzählen, doch die Heiden verlachten ihn und ihr Anführer sprach spöttisch: Wenn du uns alle unbewaffnet im Kampfe besiegst, dann gelobe ich, werden wir alle deinen Glauben annehmen. Und der heilige Degenhard blickte ihn entschlossen an und sprach: Wohlan, so soll es denn sein. Und er legte seine Waffen ab und machte sich bereit. Die mordlüsternen Heiden stürmten mit wildem Geschrei und Waffengeklirr auf ihn zu und der heilige Degenhard stand still da, breitete die Arme aus und empfing Wurfspeere, Pfeile und Messer mit seinem Körper und blickte den Ungläubigen ins Gesicht und seine Augen hatten einen friedvollen Glanz und sein Antlitz strahlte vor Ruhe, selbst noch als sein Körper leblos zu Boden fiel. Da wurden auch die Heiden ganz still und erkannten die Größe des Eynen, knieten vom wahren Glauben erfüllt nieder und beteten. So siegte der heilige Degenhard im Kampfe für den Eynen und den wahren Glauben. Auf diesen Heiligen geht der Ausspruch „ aufrecht wie Degenhard“ zurück. Wenn jemand auf Heidenfahrt stirbt, so sagt man oft statt „er ist gefallen“ „Er hat einen Degenhardssieg errungen“.